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Stellungnahme zur Recherche zu Spender 7069 vom EBU Investigative Journalism Network am 10.12.2025


Liebe Solomütter, liebe Wunscheltern,


das DW-Investigativteam stellt die Ergebnisse einer gemeinsamen Recherche von 14 europäischen Sendern unter dem Dach des EBU Investigative Journalism Network vor. (Hier nachlesen: ORF-Bericht oder hier Video anschauen: DW-Video) beleuchtet einen Fall rund um eine dänische Samenbank, der strukturelle Probleme im System der Samenspende sichtbar macht. Laut Recherche wurde der Samen eines einzelnen Spenders wahrscheinlich in mindestens 14 Ländern verwendet und hat zur Zeugung von mindestens 197 Kindern geführt. Diese Zahl liegt deutlich über den in vielen Ländern vorgesehenen oder kommunizierten Obergrenzen. Der Bericht zeigt zudem, dass nationale Grenzen überschritten wurden, ohne dass es eine europaweit verbindliche Kontrolle oder zentrale Erfassung gibt. Samenbanken werden auch länderübergreifend genutzt. So können sehr hohe Gesamtzahlen entstehen, ohne dass alle betroffenen Familien zeitnah oder vollständig informiert werden.


Auslöser der Recherchen war das Bekanntwerden einer genetischen Veränderung bei einigen der gezeugten Kinder. Nach Angaben im Artikel wusste der Spender zum Zeitpunkt seiner Spenden nicht von seinem Gendefekt. Unabhängig davon macht der Fall deutlich: Das eigentliche Problem liegt nicht im einzelnen Spender, sondern in fehlenden Regeln, unzureichender Transparenz und einer unklaren Verantwortungsverteilung zwischen Samenbanken, Kliniken und Staaten. Für viele von euch trifft genau das einen empfindlichen Punkt. Die Anzahl genetischer Halbgeschwister ist kein unwichtiges Randthema, sondern für viele Wunscheltern zentral. Vertrauen, Sicherheit und das Recht auf informierte Entscheidungen sollten eine Grundvoraussetzung bei der Behandlung sein.


In unserer Community entsteht gerade Unruhe. Wir nehmen diese Verunsicherung sehr ernst. Du darfst Klarheit einfordern und Fragen stellen, solltest aber erstmal nicht in Panik geraten.


Was dir jetzt helfen kann:


  • Bleib ruhig und sortiere für dich, was diese Nachricht bei dir auslöst. Unsicherheit, Ärger oder viele offene Fragen sind nachvollziehbar. Du musst nicht sofort reagieren. Achte auf dein Bauchgefühl: prüfe, ob du dich jetzt direkt mit diesem Thema auseinandersetzen kannst. Das ist für nicht direkt Betroffene keine zeitkritische Entscheidung.

  • Wenn du das Bedürfnis nach Informationen hast: Schau auf der Webseite deiner Samenbank nach und nimm im Zweifelsfall Kontakt zu dieser auf. Bitte gezielt um Auskunft zur Anzahl der registrierten Kinder deines Spenders und zu aktuellen internen Regelungen und Maximalbegrenzungen deiner Samenbank. Nicht jede Samenbank wird diese Zahlen preisgeben, aber vermehrte Anfragen zeigen den Samenbanken, dass diese Themen für euch wichtig sind.

  • Suche Austausch mit anderen Betroffenen. Gespräche in der Community helfen, die eigene Situation einzuordnen und nicht allein mit den Gedanken zu bleiben. Für die Kommunikation in den Gruppen möchten wir ausdrücklich vorschlagen, sich sensibel und empathisch zu äußern. Jede Person reagiert anders auf solche Situationen, jede Form der Bewältigung hat ihre Berechtigung. Jede Entscheidung ist individuell und sollte nicht verglichen und nicht bewertet werden.

  • So eine Information kann verunsichern und emotional sehr aufwühlend und belastend sein.Nimm Unterstützung in Anspruch, wenn du merkst, dass dich das Thema stark belastet. Eine psychosoziale Begleitung kann helfen, Klarheit zu gewinnen.

  • Wenn du selbst von der aktuellen oder einer ähnlichen Situation (zB. genetischer Defekt nach Samenspende) betroffen bist und deine Geschichte teilen möchtest, schreibe uns eine Email an kontakt@smd-verein.de. Falls gewünscht, geben wir dir den Kontakt zum Journalistenteam weiter.

  • Wenn dich die Situation sehr mitnimmt, bieten wir dir als Verein gerne ein Gespräch an.


Als Solomütter Deutschland e.V. setzen wir uns für klare Regeln und Transparenz ein. Diese Berichte zeigen noch mal um so mehr, warum wir einheitliche Regeln brauchen, ein internationales Spenderregister (zB. analog zum SaRegG in Deutschland), eine Begrenzung pro Spender und die Einführung eines freiwilligen Registers für genetische Halbgeschwister. Diese Punkte betreffen die wichtigsten Personen im ganzen Gefüge: die Kinder, denen eine überschaubare Anzahl an genetischen Halbgeschwistern und eine Möglichkeit auf Kontakt zu diesen zustehen sollte.

Außerdem scheinen länderübergreifende Meldesysteme und verlässliche Informationspflichten gegenüber den Familien Sinn zu machen. Nur so lassen sich Sicherheit, Vertrauen und informierte Entscheidungen dauerhaft gewährleisten. Wir erleben, dass Solowunscheltern auf ihrer Reise einem Flickenteppich an Möglichkeiten, Wegen und Herangehensweisen der Samenbanken stoßen, was nicht selten zur Überforderung führt. Daher wünschen wir uns mehr Klarheit für die Wunscheltern.

Wir begrüßen die aktuellen Bestrebungen, zumindest EU-weite Richtlinien voranzutreiben, wie sie gerade von Belgien und Schweden initiiert werden (Quelle).


 
 
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