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Kommentar des Vereins Solomütter Deutschland e.V. zum Antrag O05 Einführung und Ausgestaltung der Eizellspende


Anbei findet ihr unseren Kommentar zu einem Antrag der Frauen Union für den 38.Parteitag der CDU am 20.-21.02.2026. Den genauen Antrag könnt ihr auf Seite 380 nachlesen:



Mit großer Zustimmung begleiten wir als gemeinnütziger Verein "Solomütter Deutschland e.V."  die Bestrebungen, Eizellspende in Deutschland gesetzlich neu zu ordnen und verlässlich zu gestalten. Der vorliegende Antrag ist ein wichtiger Schritt für die reproduktiven Rechte von Frauen in Deutschland. Zu einigen Aspekte regen wir folgende Ergänzungen an:


Registerregelung: Halbgeschwister mitdenken


Ein Eizellenspenderregister analog zum Samenspenderregister ist ein wichtiger Schritt. Kinder haben jedoch nicht nur ein Recht auf Kenntnis ihrer genetischen Abstammung, sondern auch ein berechtigtes Interesse an Informationen zu genetischen Halbgeschwistern. Ein modernes Register sollte daher:

  • die Anzahl der entstandenen Kinder dokumentieren

  • Kontaktmöglichkeiten zwischen Halbgeschwistern ermöglichen

  • Transparenz über Mehrfachspenden sicherstellen

Ohne diese Ergänzungen bleibt der Kinderschutz unvollständig. Siehe hierzu auch die Empfehlungen des ESHRE-Positionspapiers


Verbindliche psychosoziale Beratung


Der Antrag benennt medizinische Kriterien, aber keine unterstützende psychosoziale Beratung für Spenderinnen und Empfängerinnen. Eizellspende ist keine rein medizinische Maßnahme. Sie berührt:

  • Fragen der Identität des Kindes

  • Aufklärung und Offenlegung

  • Rollenverständnisse

  • langfristige familiäre Dynamiken

  • Wir regen dringend eine qualitätsgesicherte, verpflichtende Beratung vor Spende und Behandlung – für Spenderinnen wie für Empfängerinnen.


Unklarheit bei Singles


Im Antrag bleibt offen, ob alleinstehende Personen Eizellen empfangen dürfen.

Singles nutzen bereits heute reproduktionsmedizinische Angebote im In- und Ausland. Eine gesetzliche Regelung der Eizellspende darf die aktuell bestehende implizite Diskriminierung  von Singles in Deutschland nicht fortschreiben. Reproduktive Möglichkeiten dürfen nicht vom Familienstand abhängen.


„Neuen Markt verhindern“ – Realität wahrnehmen


Die Argumentation, ein Markt müsse verhindert werden, verkennt die tatsächliche Situation.

Ein Markt existiert bereits – nur außerhalb Deutschlands.

Reproduktives Reisen sind seit Jahren Realität. Wunschsolomütter weichen zB. nach Spanien, Tschechien, Griechenland oder Portugal aus.

Die Folgen:


  • hohe finanzielle Belastung

  • fehlende einheitliche Standards

  • geringere Transparenz

  • Unsicherheit in der Dokumentation


Unsere Erfahrungen zeigen auch: Wenn eine Methode im eigenen Land verboten oder stark stigmatisiert ist, sind die Eltern oft zurückhaltender in der Aufklärung ihrer Kinder über den Teil, der im eigenen Land nicht erlaubt ist, hier de Eizellspende. Wir befürchten vor allem, dass hier die Kinder langfristig darunter leiden könnten, wenn um diesen wichtigen Teil der Entstehung ein Tabu herrscht.


Ziel sollte es unserer Auffassung nach sein, reproduktives Reisen zu vermeiden und verlässliche Möglichkeiten im Inland zu schaffen. Eine Legalisierung bietet die Chance, Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass möglichst viele Menschen realistisch Zugang erhalten und nicht mehr auf Behandlungen im Ausland angewiesen sind.


Wir plädieren daher für eine breitere Öffnung mit klaren, verbindlichen Regeln und staatlicher Kontrolle – wie auch im Bericht der Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin angedeutet, der eine regulierte Zulassung unter Schutz- und Transparenzgesichtspunkten für sinnvoll hält. Modelle mit finanzieller Aufwandsentschädigung sollten dabei mitdiskutiert werden, wenn Schutz, Transparenz und Zugang tatsächlich gestärkt werden sollen. Verlässliche Strukturen im Inland können mehr Sicherheit für Kinder, Spender*innen und Eltern schaffen und gleichzeitig hohe Qualitäts- und Beratungsstandards sichern.



Kinderlosigkeit und politische Konsequenz


Im Antrag wird auf die hohe Kinderlosigkeit verwiesen.

Ein wirksamer Schritt könnte neben der Legalisierung der Eizellspende auch die finanzielle Beteiligung an Kinderwunschbehandlungen für Singles, insbesondere bei Behandlungen mit Samenspende sein. Denn derzeit tragen alleinstehende Frauen diese Kosten oft vollständig selbst. Das verstärkt soziale Ungleichheit und macht Familiengründung vom Einkommen abhängig.


Eine gesetzliche Regelung der Eizellspende halten wir für notwendig und begrüßen es sehr, dass mit Ihrem Vorstoß Bewegung in die Debatte kommt.


Eine zeitgemäße Ausgestaltung sollte aus unserer Sicht vor allem:


• die Rechte von Kindern verlässlich sichern

• psychosoziale Beratung verbindlich verankern

• Singles ausdrücklich einschließen

• die gelebte reproduktive Realität anerkennen

• soziale Gerechtigkeit stärken


Wir wünschen uns einen weiteren offenen, differenzierten Dialog und begleiten die Weiterentwicklung der Gesetzeslage gern konstruktiv aus der Sicht der Betroffenen. Ziel bleibt eine verantwortungsvolle Fortpflanzungsmedizin, die alle Familienformen stärkt und vor allem die Kinder in den Mittelpunkt stellt.



Solomütter Deutschland e.V.

17.02.2026




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